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Der Rhön-Fotograf Anton Kaiser - Sein Leben und Werk


Schon frühzeitig war Anton Kaiser von den Ausdrucksmöglichkeiten der Fotografie
fasziniert. 1926 in Unterfranken geboren, machte er bereits mit 14 Jahren seine ersten "Gehversuche" mit der Boxkamera seines Onkels. Nach Krieg und Gefangenschaft bildete
sich der Autodidakt auf dem Gebiet der Fotografie ständig weiter.

Auf Erfolgskurs

Erste Erfolge hatte er in den 50er Jahren beim Fotoclub Bad Kissingen. Seine Bilder waren
auf zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland vertreten, darunter auch Bundesfotoschauen des VDAV (Verband Deutscher Amateurfotografen-Vereine). Regelmäßige Auszeichnungen - sogar in Norwegen für das beste Tierbild - bestärkten ihn darin, weiter seiner inneren Berufung zu folgen.
 
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Mit "Abflug" den Vogel abgeschossen

Zu seinen größten Erfolgen zählte der 1. Preis beim internationalen Leica-Fotowettbewerb 1968, an dem sich über 4000 Amateur- und Berufsfotografen mit rund 20.000
Farbdias beteiligten. Mit seiner Aufnahme "Abflug" schoss
er im wahrsten Sinne des Wortes den Vogel ab.

1969 wird Anton Kaiser als Meister der Leica in der "Leica-Fotografie" vorgestellt.
1970 zeichnet ihn die Süddeutsche Zeichnung mit dem Silbernen Dia aus.
1975 wird er mit einer Arbeit im Merian vorgestellt.
1993 porträtiert ihn der Rhöner Schriftsteller und Dichter
Josef Kuhn unter dem Titel
"Zum Sehen geboren, zum Schauen bestellt"
 



Die Bildbände

Regelmäßige Veröffentlichungen seiner Arbeiten in Fotojahrbüchern, Zeitschriften, Kalendern und Bildbänden führten konsequenterweise 1979 zu seinem ersten eigenen Bildband über die Rhön. Weitere Bücher folgten (Spessart, Mainfranken, Fulda, Saale, Odenwald, Nebelbäume) sowie die beliebten Kalender "Rhön-Impressionen", mit denen er über Jahre die Schönheit und Eigenart der Rhönlandschaft dokumentierte. 2002 erschien sein zweiter Bildband über die Rhön. Einen Überblick über die Publikationen finden Sie hier.



Leben

Aufgewachsen mit acht Brüdern auf einem Bauernhof im unterfränkischen Kützberg bei Schweinfurt begann Anton Kaiser sich
schon früh für die Fotografie zu interessieren. Angeregt durch die Tieraufnahmen in den Jagdzeitschriften seines Vaters, der als Jäger ein Waldrevier betreute, fand er zu seinem lebenslangen Thema der Natur-, Tier- und Landschaftsfotografie. Nach der
Schule begann er in Schweinfurt bereits mit 13 Jahren eine Handwerkslehre. Mit 17 Jahren wurde er zum Arbeitsdienst
eingezogen. Krieg und amerikanische Gefangenschaft unterbrachen zunächst seine fotografische Weiterentwicklung. In die Heimat zurückgekehrt, widmete er sich wieder seinem Hobby und kaufte sich 1954 seine erste Leica, die M 3.
 
Als Photo Instructor bei der Army

Bild012neu Als Glücksfall für ihn erwies sich, dass ihm 1960 die Stelle eines Photo Instructors bei den Special Services der amerikanischen Armee im Lager Wildflecken in der Rhön angeboten wurde. Seine in amerikanischer Gefangenschaft erworbenen englischen Sprachkenntnisse und seine Erfolge als Fotograf kamen ihm hier zugute. Die Special Services waren Freizeitangebote für die amerikanischen Soldaten mit Möglichkeiten, sich sportlich, künstlerisch oder handwerklich zu betätigen.

Anton Kaiser wurde Lehrmeister in Fotografie. Dafür standen ihm im Lager Wildflecken nicht nur gut ausgestattete Aufnahmeräume zur Verfügung, sondern auch Labors, in denen die Soldaten ihre Filme selbst entwickeln und vergrößern konnten. In dieser Zeit bis in die 80er Jahre hinein hat er in vielen jungen Leuten die Liebe zur Fotografie geweckt und auch den Grundstein für manche Fotografenlaufbahn gelegt. Bis zuletzt bekam er Post und auch Besuche ehemaliger Schüler aus Amerika.
 

 
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Im Morgengrauen unterwegs

Seine Arbeit bei den Amerikanern erlaubte es Anton Kaiser in idealer Weise Beruf
und Hobby zu verbinden, da sein Dienst erst am Nachmittag begann. So hatte er die Vormittage zur freien Verfügung und konnte mit seinem VW-Käfer im Morgengrauen aufbrechen, um mit seiner Kamera auf die Pirsch zu gehen. Nach stundenlangem
geduldigen Ansitzen entstanden seine schönsten Tieraufnahmen und auch seine Landschaftsaufnahmen sind das Resultat von Geduld, Beharrlichkeit und dem Warten
auf die richtige Stimmung. Ein besonderes Anliegen war ihm der Schutz des Birkwildes, dessen Bedrohung durch Fichtenaufforstungen er auch in Leserbriefen anprangerte. In zahlreichen Aufnahmen dokumentierte er das Leben des "Charaktervogels der Rhön".

"Handwerkszeug"

Anton Kaiser arbeitete mit einem 6x7- und 6x6- Kamerasystem und mehreren Kleinbildkamera-Systemen mit Weitwinkel- bis zu extremen Teleobjektiven.




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Anton Kaiser verbrachte seinen Lebensabend in Bad Brückenau. Zu seinem 80. Geburtstag erschien eine Würdigung seines Lebens und Werks in der Main-Post. Zuletzt lebte er in Mosbach (Baden), dem Wohnort seiner Tochter, wo er am 7. Juli 2013 verstorben ist. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Bischofsheimer Friedhof.

Zitate über Anton Kaiser

"Anton Kaiser erkundet Landschaft mit mitwissender Geduld. Er weiß, dass er mit einem Augen-Blick das festhält, was zum Opfer fallen kann – und manche seiner Bilder sind schon heute nicht mehr nachzuvollziehen. Er versteht sich in seinen Aufnahmen als Augen-Zeuge: Bild für Bild führt er vor, dass wir uns verlieren, wenn wir zerstören, was uns Leben lehrt und gibt, und sei es nur ein kleiner Garten, verwildert und geheimnisvoll, der Kindheit heißt."
Peter Härtling, Schriftsteller und Autor der Bildbandes "Mainfranken"

"Meister fotografischer Gestaltung"
Josef Kuhn, Rhöner Schriftsteller und Dichter

"Wer sich noch über eine vom Sturm zerzauste Krüppelbirke, eine leuchtende Trollblume oder das samtweiche Wollgras de Hochmoors freuen kann, hat sich den Blick für die wertvollsten Dinge des Lebens bewahrt ..."
Heinrich Stöckler, Leica-Fotografie

"Mit Leidenschaft und Disziplin ist Anton Kaiser der große Porträtist der Rhön geworden."
Heinrich Mehl, Heimatblätter Rhön-Grabfeld

"My friendship with you is one of the highlights of my life. You taught me so much!"
Fred Delgado, Portland (Oregon), 1971-1972 in Wildflecken stationiert